englishdeutsch

Sie sind hier:   Stadt Maulbronn >>
KLOSTER  >>  Geschichte

Die Geschichte des Kloster Maulbronn

Die Klosteranlage aus der Luft
Die Klosteranlage aus der Luft

Die Geschichte der Abtei beginnt eigentlich in Ecken- weiher bei Mühlacker und geht wahrscheinlich auf das Jahr 1138 zurück. Der Ritter Walter von Lomersheim, ergriffen vom Reformgedanken des Bernhard von Clairvaux, wollte in mönchischer Abgeschiedenheit Gott sein Leben weihen.

Walter beschloß, auf seinem Erbgut Eckenweiher ein Zisterzienserkloster zu gründen, in welches er selbst eintreten wollte. Deshalb wandte er sich an Abt Ulrich vom Kloster Neuburg im Elsaß und erwirkte von ihm die Aussendung eines Konvents von zwölf Mönchen und einigen Laienbrüdern unter der Führung des Abts Dieter.

Bald stellte sich heraus, daß der Platz für das Vorhaben ungeeignet war, zumal es vor allem an Bausteinen und Wasser fehlte. Walter wandte sich wegen dieser Schwierigkeiten an den damals neugewählten Bischof Gunther von Speyer, Graf von Henneberg.

Das Brunnenhaus
Das Brunnenhaus
Foto: Erich Blaich

Der Bischof, zu dessen Diözese Eckenweiher gehörte, visitierte den Konvent und versetzte die Mönche im Jahr 1147 auf ein dem Bistum zugehöriges Lehen - nämlich nach Maulbronn.

Auf einer zweiflügeligen, ähnlich wie ein Altar angelegten Stiftungstafel ist die rauhe Gegend um Maulbronn dargestellt. Die Szene zeigt eine Wildnis mit Räubern, die gerade über Wanderer herfallen, sie mit der Armbrust bedrohen und mit Schwert und Dolch niederstechen.Auf der gegenüberliegenden Tafel sind Zisterziensermönche dargestellt, die den romanischen Kirchenbau errichten.

Auf der inneren Tafel sind Gunther von Speyer und Walter von Lomersheim zu sehen, die der über ihnen schwebenden Gottesmutter Maria ein Modell der Kirche überreichen.

Freilich existiert auch eine Legende von der Entstehung des Klosters: Auf der Suche nach einem Siedlungsplatz, der geeigneter war als der in Eckenweiher, hatten die Mönche ein Maultier mit einem Geldsack beladen, ihm einen Segensspruch und einen Rutenhieb mit auf den Weg gegeben und es dann lostrotten lassen.

Östlicher Kreuzgangflügel und Wappen
Östlicher Kreuzgangflügel
und Wappen
Foto: Erich Blaich

An jenem Platz, an dem heute der Esels- brunnen steht, blieb das Maultier stehen und stillte an einer Quelle seinen Durst. Die Mönche sahen darin ein Zeichen des Himmels und beschlossen, an dieser Stelle ihr Kloster zu errichten.

An die Legende erinnern bis heute sowohl der Name und das Wappen von Maulbronn als auch die Darstellung eines trinkenden Maultiers im Gewölbe der Brunnenkapelle.

Für eine Klostergründung erfüllte der Ort die Grundsätze des Zisterzienserordens, dessen Bestreben es war, in der Abgeschiedenheit von der Welt nach der ursprünglichen Form benediktinischen Mönchtums in Armut zu leben.

Im Gegensatz zu den Benediktinern, die ihre Klöster auf der Höhe anlegten, bauten die Zisterzienser stets im Tal.

Doch ganz so abgelegen war die Gegend nicht, denn die für den Reise- und Transportverkehr wichtige Kaiserstraße (Roter Weg) lag in unmittelbarer Nähe, was eine unkomplizierte Verbindung nach Speyer gewährleistete. Auch der bei Maulbronn gelegene Elfinger Hof, der schon 784/785 urkundlich erwähnt wird, gelangte 1159 in den Klosterbesitz.

Der Weiher wurde von den Mönchen in eine Grangie umgewandelt, und die Bewohner hatten im wahrsten Sinne des Wortes "das Feld zu räumen".

Blick aus dem Kapitelsaal auf den Kreuzgang
Blick aus dem Kapitelsaal auf den Kreuzgang
Foto: Erich Blaich

In nahezu 400 Jahren haben die Maul- bronner Mönche ein Kloster geschaffen, dessen Impulse auf die mittelalterliche Gesellschaft nicht nur religiöser und kultureller Art, sondern auch wirtschaft- licher und politischer Natur waren.

Wohlüberlegte Planung, Fleiß und handwerkliches Können der Zister- ziensermönche in Maulbronn verhalfen dem Kloster, das unter der besonderen Obhut des Speyerer Bischofs stand, zu raschem Wachstum, und schon 1178 konnte die Kirche, eine dreischiffige, romanische Basilika, der Gottesmutter Maria geweiht werden. Der Kirchenbau ist von einigen Umbauphasen geprägt worden, die sich im vom Kreuzgang umgebenen Kreuzgärtlein deutlich ablesen lassen.

Die Vielfältigkeit der Romanik, Gotik mit ihren Übergangsstilen und selbst die Bauweisen folgender Zeiten finden dort ihren Ausdruck. Allein die Maßwerkfenster des Kreuzganges scheinen die unbegrenzten Ausdrucksformen der Steinmetzkunst festgehalten zu haben. Der Kreuzgang gehört zum Leben im Kloster.

Die Regel verweist die Mönche in einen abgeschlossenen Raum, der sich nach innen, auf einen zur Außenwelt hin abgeschirmten Garten öffnet und somit nur zum Himmel Verbindung hat. In Maulbronn hatten die Mönche bereits im 12. Jahrhundert landwirtschaftliche Mustergüter angelegt, von deren Ertrag ein Abt selbstbewußt behauptete: "Unsere Weinfässer sind größer als die Wohnungen der ägyptischen Mönche und unsere Fruchtspeicher geräumiger als ihre Klöster." Die Glaubwürdigkeit dieses Ausspruchs wird noch heute von den Kellern und Speichern bezeugt, die im vorderen Klosterareal zu finden sind.

Evangelisches Seminar
Evangelisches Seminar

Die zweite entscheidende Phase nimmt ihren An- fang im Frühjahr 1504, als das Kloster Maulbronn von Herzog Ulrich von Württemberg nach sieben- tägiger Belagerung erobert wurde und künftig zu Württemberg gehörte.

Das Kloster stand seit der Stauferzeit unter dem unmittelbaren Schutz des Kaisers. Nachdem Herzog Ulrich das Kloster okkupiert hatte, übernahm er die Schutzherrschaft - auch über die rund 60 Dörfer, die zum Klostergut gehörten.

Herzog Ulrich, der vor allem aus politischem Kalkül evangelisch geworden war, diente die Säkularisie- rung als ein willkommenes Mittel, von seinen hohen Schulden herunter zukommen.

Herzog Christoph von Württemberg, der Sohn Ulrichs, richtete in Maulbronn eine Schule ein, die den Pfarrernachwuchs für die noch junge evangelische Kirche seines Landes heranbilden sollte.

Die Schule, seit 1806 Evangelisches Seminar, ist bis auf eine Unterbrechung durch den Dreißigjährigen Krieg bis heute im Kloster untergebracht. 1993 wurde das Kloster Maulbronn von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) in die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen und darf sich in einem Atemzug mit den Pyramiden von Gizeh, der chinesischen Mauer oder dem spanischen Escorial nennen lassen.

Auch die zisterziensische Kulturlandschaft mit ihrem akribisch angelegten Wassersystem, wovon die Umgebung rings um Maulbronn noch heute geprägt ist, spielte bei der Aufnahme in die UNESCO-Liste eine wichtige Rolle.

nach oben  nach oben 

Alle Einstellungen zurücksetzen
Schrift vergrößern
Schrift verkleinern
Druckversion

 NOTDIENSTE
 AKTUELLES WETTER
Vorheriger MonatFebruar 2012Nächster Monat
MoDiMiDoFrSaSo
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829