Archiv: Stadt Maulbronn

Seitenbereiche

Sie verwendeten einen veralteten Browser. Bitte führen Sie für ein besseres Surf-Erlebnis ein Upgrade aus.
JavaScript scheint momentan in Ihren Browsereinstellungen deaktiviert zu sein.
Bitte nehmen Sie eine Änderung dieser Einstellung vor und laden Sie die Webseite neu, um deren volle Funktionalität zu ermöglichen.
Kultur- und Klosterstadt Maulbronn

mitten im Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Das Kloster Maulbronn

seit 1993 Unesco Weltkulturerbe

Kultur- und Klosterstadt Maulbronn

seit 1993 Unesco Weltkulturerbe

Hauptbereich

dummy

Archiv

Autor: Frau Fegert
Artikel vom 27.04.2020

Das Wort zum Donnerstag des Bürgermeisters

„Komm, lieber Mai, und mache …“

Sie kennen dieses Frühlingslied, liebe Leserinnen und Leser. Weiter geht der Text (Melodie übrigens von Wolfgang Amadeus Mozart) bekanntlich mit „… die Bäume wieder grün.“

Auch das Frühjahr 2020 ist einer der vielen Belege dafür, dass „Klimawandel“ – oder besser: „Klimagefahr“! – keine Theorie ist, schon gar nicht eine weitere „Verschwörung“ all der vermeintlich üblen Politiker und „Gutmenschen“, welche uns unsere ach so bequeme Welt madig machen oder (wie Herr Trump twittern würde) die Wirtschaft schädigen wollen, sondern pure Realität: Die Bäume sind längst grün. Rund vier Wochen, würde ich schätzen, ist die „Reaktivierung“ der Pflanzenwelt der über Jahrhunderte hinweg „normalen“ Vegetationszeit voraus. Und das ist kein Wunder angesichts eines weiteren Winters, der keiner war, in Anbetracht der Wärme, die uns seit Wochen umgibt und die (nach einem erfreulich nassen „Winterschluss“) jetzt schon wieder ernste Sorgen bereitet im Hinblick auf Grund- und Flusswasserspiegel, auf Waldbrandgefahr, auf Trockenheit und Dürre der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Wir Menschen sind die Haupt-Verursacher dieser weltumspannenden Krise – es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sie in den Griff zu bekommen!

Eine andere Krise beherrscht seit Wochen und Monaten unser Leben: Covid 19 hat inzwischen Zigtausend Menschen das Leben gekostet, Hunderttausende krank gemacht, Millionen „in Quarantäne geschickt“. Die Corona-Pandemie ist   d i e   Herausforderung der Menschheit seit dem 2. Weltkrieg – nicht zuletzt mit all ihren (notwendigen!) Schutz-Konsequenzen, den Wirtschafts- und Finanzproblemen, den weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens.
Es gibt leider noch immer Zeitgenossen, die das nicht begreifen. Weil ich keiner bin, der anderen Schlechtes wünscht, möchte ich wenigstens hoffen, dass diese Leute mal eine der Reportagen zu sehen bekommen, die es inzwischen aus den Intensivstationen mehrerer Kliniken gibt: Einfach widerlich, wenn „argumentiert“ wird, es seien ja überwiegend „Alte, die nicht an, sondern mit Corona sterben“ – erstens stimmt das nicht. Zweitens ist es natürlich auch für eine Achtzigjährige oder einen Siebzigjährigen unvorstellbar schlimm, keine Luft mehr zu bekommen, bis zur letzten Lebenssekunde erleben und erleiden zu müssen, wie die Lunge angegriffen und zerstört wird von einem Feind, gegen den es (noch) kein Gegenmittel gibt.

Ob auch dieser „Feind“, ob auch diese weltumspannende Krise menschengemacht ist?
Jedenfalls ist er/sie böse Realität. Wir müssen uns schützen und wehren.
Und ich finde, nicht nur, aber nicht zuletzt auch in Deutschland machen wir das echt gut!

Das hat mit entschlossenem Handeln unserer Volksvertreter in Regierungen und Parlamenten zu tun; damit, dass die Ärzte, Pfleger, öffentlichen Dienstleister einen Super-Job machen, unterstützt von zunehmend vielen Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Und es liegt auch daran, dass sich die allermeisten von uns mit den verordneten Regeln einverstanden erklären und beim Sich-und-andere-Schützen prima mitziehen.
Auch vom Maulbronner Gemeinderat und mir herzlichen Dank!

Weil die Pandemie auch in Deutschland weiterhin höchste Gefahr bedeutet, aber zumindest derzeit beherrschbar scheint, war es der Bundes- und den Landesregierungen zum Ende der Osterferien möglich, erste Lockerungen der Schutzbestimmungen vorzunehmen.

Für Maulbronn bedeutet das zum Beispiel, dass seit dem 20. April 2020 im Wesentlichen alle Ladengeschäfte wieder geöffnet sein dürfen. – Das ist gut für uns Kunden, noch mehr für die Gewerbetreibenden, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen können müssen. (Und das ist übrigens auch für uns alle als Stadtgemeinschaft wichtig, weil wir jetzt schon gewaltige Einbußen bei den Einnahmen im Haushalt zu verzeichnen haben.)

Noch „voll erwischt“ von den Schutzmaßnahmen sind auch in Maulbronn Hotellerie und Gastronomie. Was wir zumindest für unsere Gastwirte schon die ganze Zeit über tun können, ist sie sozusagen für „Essen-auf-Rädern-Dienstleistungen auf hohem Niveau“ in Anspruch zu nehmen. Inzwischen laufen die politischen Diskussionen über das Möglichmachen zumindest schrittweiser Wiederöffnung. Ich wünsche mir sehr, dass es bald positive Entscheidungen gibt – auch für den „Tourismus-Standort Maulbronn“ ist das von Bedeutung.

Grundsätzlich gilt für die Gewerbetreibenden unserer Stadt: Wir können die Erhebung von Steuern und Gebühren nicht pauschal unterlassen oder auch nur aufschieben. Aber im Rahmen von individuellen Anfragen versuchen wir auf dem Rathaus alles, um Unternehmen durch die Krise zu helfen. – Allerdings darf die Liquidität unserer Stadtgemeinschaft dadurch nicht gefährdet werden.

Sonst könnten wir nämlich zum Beispiel unsere Standards in der Bildungs- und Betreuungspolitik nicht aufrechterhalten und die Gebühren für Kita-Betreuung aussetzen.

Der Schulbetrieb läuft dieser Tage eingeschränkt wieder an – mit allen organisatorischen Herausforderungen nicht nur für die Schulleitungen und -kollegien, sondern auch für uns als Schulträger.
Noch unmittelbarer ist die Stadtverwaltung als Träger dreier Kindertagesstätten und als Koordinator auch für die Kindergärten der anderen Träger gefordert. Ich hoffe, dass wir den (ziemlich weitreichenden) Ergänzungen der sogenannten „Notfallbetreuung“ möglichst uneingeschränkt gerecht werden können – es gibt halt deutliche Kapazitätsbegrenzungen durch die angeordnete Halbierung der Gruppengrößen. Meine dringende Aufforderung an alle Erziehungsberechtigten: „Notfallbetreuung“ ist   n i c h t   Wiederbeginn „normaler“ Betreuung in Krippen und Kindergärten! Wer immer es ermöglichen kann, möge das Kind/die Kinder zuhause versorgen. Das bleibt der sicherste Platz!

Wie ich aus kirchenpolitischen Kreisen erfahre, sind die Landesregierung und die Glaubensgemeinschaften dabei, die Wieder-Durchführung von Gottesdiensten „Corona-angemessen“ in den Blick zu nehmen. Wohl Mitte bis spätestens Ende Mai dürfte es soweit sein. Das ist dann auch der Moment, an dem unsere muslimischen Mitbürger wieder in der Moschee zusammenkommen dürfen. Und damit wird dann auch die Sonder-Erlaubnis enden, einmal pro Woche donnerstagabends via Lautsprecher zum Abendgebet rufen zu dürfen. Ich bin sehr froh, dass die allermeisten Maulbronner mit diesem „Lärmschutz-Kompromiss“ (und nichts anderes ist das rechtlich!) leben konnten bzw. noch zwei, drei Wochen leben können. Es waren unterm Strich nur wenige, „natürlich“ überwiegend anonyme Stimmen, die sich teilweise in übelster Form zu „Verteidigern des Abendlandes“ aufgeschwungen haben. Überhaupt nichts gegen andere Meinung – das ist Demokratie pur. Aber was man mir (vor allem nach dem ersten Gebetsruf) an den Kopf geworfen hat, erfüllte vielfach den Tatbestand der Beleidigung – was mir ziemlich egal ist, weswegen ich diese Mails und Briefe auch vernichtet habe. Es war aber halt leider auch zutiefst rassistisch. – 75 Jahre nach der Befreiung der von Deutschen eingerichteten Konzentrations- und Vernichtungslager!!!

Jetzt im Mai kommt übrigens auch der Tag, an dem die Stadtverwaltung wieder mit „Vollschicht“ arbeiten wird auf dem Rathaus und im Bauhof. Wir sind mittels der „Halbierung“ völlig problemlos durch die Zeit der vollständigen Kontaktsperre gekommen, ohne (wie fast überall andernorts) das Rathaus zu schließen. Spätestens Mitte Mai sind wir alle wieder gleichzeitig für die Maulbronner da.

Was im Mai auch kommt, ist der 75. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs – zumindest in Europa, für Deutschland. Am 8. Mai 1945 (bzw. am 9. – je nach amerikanisch-britisch-französischer oder russischer Lesart) war der größte Irrsinn, den sich Menschen jemals eingebrockt und den unsere deutschen Vorfahren zu verantworten haben, gottseidank zu Ende. Mit dem völligen Zusammenbruch aber verbunden war und bleibt der Neustart einer demokratischen deutschen Republik, eines sich vereinigenden Europas. – Beide beweisen gerade in Corona-Zeiten, wie stark und gut sie sind.

Bei allen krisenhaften Problemen im Weltmaßstab, die uns derzeit umtreiben: Es gibt so viel Gutes und Erfreuliches, für das wir dankbar sein müssen. Und für das es sich lohnt, die Ärmel hochzukrempeln.

 

Schaffen Sie´s gut und bleiben Sie gesund!


Andreas Felchle
Bürgermeister