Stadt Maulbronn (Druckversion)
Autor: Frau Fegert
Artikel vom 03.08.2021

Heimatkunde - Marksteine

An den Gemarkunsgrenzen von Maulbronn, Schmie und Zaisersweiher stehen historische Grenzsteine, die heute als Kulturdenkmale bzw. Kleindenkmale unter Denkmalschutz gestellt sind. Wer sie genauer betrachtet, findet auf ihnen häufig sogenannte Fleckenzeichen, was die Vorläufer der Gemeindewappen sind. Auf der den entsprechenden Ortschaften zugewandten Seite wurden entweder deren Anfangsbuchstaben oder deren Fleckenzeichen bzw. Wappen eingemeißelt. Wenn es kein Fleckenzeichen gab, wurde eine Pflugschar mit dem Anfangsbuchstaben des Orts darauf eingeschlagen. Im Fall von Zaisersweiher dürfte wohl die Pflugschar als Fleckenzeichen schließlich ins Ortswappen übernommen worden sein, und im 18. Jahrhundert wurde es dann mit den beiden Fischen ergänzt.

Die das Herrschaftsgebiet des Klosters Maulbronn eingrenzenden Marksteine sind häufig mit dem Abtsstab versehen, der z. T. künstlerisch ausgebarbeitet ist. Außerdem sind sie oft mit Jahreszahlen und Nummern versehen, da jeder Stein amtlich registriert wurde und zugeordnet werden musste. Das der fortlaufenden Ziffer auf den Steinen vorangestellte „N“ (für Nummer) ist häufig gespiegelt dargestellt. An der Oberseite der Steine sind Rillen eingehauen, um den exakten Grenzverlauf aufzuzeigen. Treffen mehrere Gemarkungen aufeinander, verzweigen sich entsprechend die Rillen nach den jeweiligen Grenzverläufen.

Die Abkürzung „VT“ oder die Aufschrift „TRIB“ verweist auf den Viehtrieb, denn in früheren Jahrhunderten wurde das Vieh zum Weiden in den Wald getrieben, was zur Schadensbegrenzung auf bestimmte Bereiche festgelegt wurde. Bis ins 19. Jahrhundert wurden besonders Schweine zur Mast mit Eicheln und Bucheckern in den Wald geführt – das aber war dem Forst ein Dorn im Auge.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde auf der Klostergemarkung die Waldgrenze versteint, was mit der Privatisierung des Klosterguts zusammenhing, denn der Wald sollte dem Herzogtum Württemberg vorbehalten bleiben. Erst durch die Eingemeindung von Schmie und Zaiserweiher in den 1970er Jahren verfügte die Stadt Maulbronn erstmals über Kommunalwald.

In Maulbronn wurde 1761 die Klostergemarkung von Geometer Johann Michael Spaeth aus Kleinsachsenheim auf einer eindrucksvollen, sogenannten „Inselkarte“ aufgenommen. Eine Reproduktion der Karte ist im Museum auf dem Schafhof Maulbronn zu sehen. Auf der Spaeth’schen Karte sind 365 Marksteine mit ihrer jeweiligen Nummer und ihrem Standort eingezeichnet. Im Stadtarchiv Maulbronn liegt die dazugehörende „Markungsbeschreibung“ aus dem Jahr 1805 vor, in der jeder Stein exakt mit Position, Beschaffenheit (z. B. „alt, rau, hoch und oben verjüngt“), Inschriften (z. B. „Abtsstab. MB. 365. 1727.“), der Distanz zum nächsten Markstein und angrenzenden Gegebenheiten (z. B. „die Chaussee Lientzingen zu“) beschrieben wird.

Ab dem 15. Jahrhundert wurden in Süddeutschland Grenzsteine gesetzt, worüber die Obrigkeit streng wachte. Je dichter die Besiedlung zunahm, umso wichtiger war es, das Eigentum genau abzugrenzen, um Streitigkeiten vorzubeugen. Natürliche Grenzen wie Bäche veränderten mitunter ihren Lauf durch Hochwasser, oder herausragende Bäume, die ebenfalls als Landmarken dienten, konnten absterben.

Das Setzen und Überwachen von Grenzsteinen war eine hoheitliche Aufgabe, die vom sogenannten „Untergänger“ begleitet wurde. Der Platz des Grenzsteins musste abgesichert werden, denn bisweilen kam es auch vor, dass er in betrügerischer Absicht heimlich versetzt wurde. Damit man glaubhaft nachweisen konnte, dass ein Stein versetzt worden war, deponierten die vereidigten Untergänger unter ihm einen sogenannten „Zeugen“, über den nur sie genau Bescheid wissen durften. Wie dabei vorgegangen werden sollte, wird in dem „Handbuch in Untergangs-, Bau- und Feld-Sachen für Stadt- und Gemeinde-Räthe […] im Königreich Württemberg“ aus dem Jahr 1832 genau beschrieben: „Die Hauptsache bei dem Steinsatz ist die sogenannte Verzeugung. Erst in genugsamer Entfernung anderer Leute, wenn Niemand als die Untergänger anwesend sind, müssen diese den Stein verzeugen. Es werden nämlich unter den Stein oder an die Seiten desselben gewisse Merkmale gelegt, die man Zeugen nennt. Diese Zeugen bestehen nach Belieben aus Kohlen, Asche, Eierschalen, Kieselsteinen, Scherben zerschlagener Ziegel- oder anderer Steine, Rechenpfennigen, Münzen etc.“ Ab Mitte des 20. Jahrhunderts, der Spätphase der „Verzeugung“, ging man dazu über, mit Gemeindewappen versehene Tontäfelchen zu verwenden.

In mühevoller Arbeit hat die frühere Maulbronner Gemeinderätin Gerda Langohr die Maulbronner Grenzsteine in den Jahren 1990/91 in einer Dokumentation erfasst, die im Stadtarchiv hinterlegt ist. Darüber hinaus hat sie zwei aufschlussreiche Aufsätze über die historischen Grenzsteine in Maulbronn (Heimatbuch 2012, Bd. 1) und Zaisersweiher (Ortsgeschichte 2000) verfasst.

Martin Ehlers, Stadtarchiv Maulbronn

Marksteine aus Maulbronn, Schmie und Zaisersweiher aus den Forstlagerbüchern von Obristleutnant Andreas Kieser, der um 1680 im Auftrag der württembergischen Herrschaft, die Forste neu zu vermessen begann. (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

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