Freizeit & Tourismus aktuell: Stadt Maulbronn

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Freizeit & Tourismus aktuell

Autor: Frau Fegert
Artikel vom 15.10.2020

Hölderlin 2020

Eva Ehrenfeld gibt Einblicke in die Beziehung des Dichters zu seiner Mutter

Vor einem gut besuchten Haus – knapp 50 Interessierte waren gekommen – freute sich Bürgermeister Felchle die Geschäftsführerin der Hölderlin Gesellschaft e.V. mit einem Vortrag über das schwierige Verhältnis Hölderlins zu seiner Mutter ankündigen zu können. Eva Ehrenfeld studierte an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und ergänzte ihre akademische Ausbildung durch ein Aufbaustudium in Kulturmanagement. Sie veröffentlichte u.a. „Wohl geh ich täglich andere Pfade – Friedrich Hölderlin und seine Orte. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg und Mitglied des Rundfunkrates des SWR.

In der Maulbronner Stadthalle beleuchtete Eva Ehrenfeld das Verhältnis Hölderlins zu seiner Mutter. Johanna Christiana Gock, verwitwete Hölderlin, geborene Heyn hatte eigentlich vier Leben, so Eva Ehrenfeld: das der Cleebronner Pfarrerstochter, der Jungverheirateten, der Wiederverheirateten und der mit 30 Jahren Verwitweten. Auf Grundlage eines Textes von Peter Hertling und angereichert mit Auszügen aus Briefen und Gedichten Hölderlins zeichnet Eva Ehrenfeld das Bild einer Frau, die viele Schicksalsschläge einstecken und die ihr Leben selbst in die Hand nehmen musste.

Betrachtet man die Beziehung von Mutter und Sohn aus der Sicht des Dichters, so kommt man schnell zu dem Schluss, dass Johanna Gock eine dominante Person gewesen sein muss. Wollte sie doch ihren Sohn seinem Status entsprechend in einer geregelten Stellung sehen und hielt ihn finanziell an der kurzen Leine. Sie verkannte sein Genie – oder interessierte sich nicht dafür.

Eva Ehrenfeld lud die Zuhörer dazu ein, das Verhältnis einmal aus Sicht der Mutter zu betrachten. Zeichnet sich hier nicht das Bild einer besorgten Mutter? Johanna Christina Gock wuchs in einer geregelten Welt auf, deren Werte auf Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und Gehorsam ruhten. Mit nur 30 Jahren wurde sie zum zweiten Mal Witwe. Sie lebte 50 Jahre alleine, ohne Partner und ohne Rückhalt. Sie setzte alle Hoffnungen auf den Erstgeborenen – Friedrich Hölderlin. Doch der Sohn hatte anders im Sinne, wollte keine Stelle als Vikar annehmen. Er verschrieb sich der Dichtkunst – eine Welt, die der Mutter fremd war. „Sie wünschte sich den Sohn zurück in ihre Welt“ interpretiert Eva Ehrenfeld die Bemühungen der Mutter, Hölderlin in ein geregeltes Leben zu führen.

Doch Hölderlin entglitt ihr. Dies zeigt sich in seinen Briefen. „Liebste Mama“ schreibt der 18-jährige Hölderlin aus dem Maulbronner Seminar, „Liebste Mutter“ heißt es ein paar Jahre später aus seiner Anstellung als Hauslehrer. Am Ende, aus dem Tübinger Turm, beginnen Hölderlins Briefe mit „Verehrenswürdige Frau Mutter“. Deutlicher lässt sich die Entfremdung nicht dokumentieren und doch war Johanna Gock für den Dichter der Hafen, an den er immer wieder zurückkehrte. Der Briefverkehr war rege: 116 Briefe Hölderlins an seine Mutter blieben erhalten. Von der Mutter liegt nur ein überlieferter Brief vor – und 52 Jahre akribischer Buchführung über die Ausgaben für ihren Sohn. Ist dieses Ausgabenbuch nun ein Zeichen der Kontrolle oder der Beweis der Sorge um die Zukunft des Sohnes?

Eva Ehrenfelds Vortrag könnte man fast als ein Plädoyer für die Mutter bezeichnen. Letztendlich können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, was Johanna Gock damals bewegte. Aber eines wissen wir: Das Leben ist nicht immer nur schwarz oder nur weiß. Die Wahrheit liegt oft in den unzähligen Grautönen.

 

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Hölderlin-Jubiläumsjahrs:

15. Oktober 2020, 19 Uhr (ausgebucht!)
»Auf Hölderlins Spuren« - Führung durch das Evang. Seminar
Ephorus Gerhard Keitel, Maulbronn

22. Oktober 2020, 19 Uhr
»Itzt fang ich an, bei den Kindern Freundschaft zu suchen« - Hölderlins Maulbronner Umfeld
Martin Ehlers, Maulbronn
Stadthalle (ehem. Fruchtkasten), Klosterhof 6
Keine Anmeldung notwendig.