Willy Schenk
icon.crdate28.01.2026
Ehrenbürger der Stadt Maulbronn
Willy Schenk (1897–1958)
Ingenieur, Industrieller, Gemeinderat der Stadt Maulbronn, Ehrenbürger der Stadt Maulbronn und der – damals noch selbständigen – Gemeinde Zaisersweiher seit dem 7. März 1957. Die Ehrenbürgerschaft wird ihm als Förderer beider Gemeinden und Arbeitgeber vieler Einwohner anlässlich seines 60. Geburtstags verliehen. Am 17. Juli 1961 beschließt der Gemeinderat von Zaisersweiher, die Schule nach ihrem verstorbenen Ehrenbürger „Willy-Schenk-Schule“ zu benennen.
Schenk-Siedlung:
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) hatten die Unternehmer-Familie Schenk und die Stadt begonnen die „Wilhelm-Luise-Schenk-Siedlung“ mit 20 Häusern für die immer größer werdende Zahl der Mitarbeiter in ihrem Aluminium-Gusswerk zu planen. Bereits 1936 wurde als Tochtergesellschaft die „Schenk-Bau-GmbH“ gegründet, die zur Aufgabe die Finanzierung und Erstellung von Industrie- und Wohnbauten hatte.
Ende des Jahres 1940 war die Erschließung der Schenk-Siedlung weit vorangeschritten, weswegen über die Benennung der neuen Straßen entschieden wurde: Die erste Siedlungsstraße erhielt zunächst den Namen „Hermann-Göring-Straße“, wurde dann aber 1945 in „Willy-Schenk-Straße“ umbenannt.
Das Leichtgusswerk Schenk in Maulbronn:
1921 übernimmt Willy Schenk das Unternehmen seines Vaters und entwickelt es technisch weiter. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten beginnt eine gewaltige Aufrüstung des Militärs, so auch im Bereich des Flugzeugbaus. Dabei spielen Teile aus Leichtmetallguss eine wichtige Rolle. Nach Angaben von Willy Schenk soll er von Hermann Göring als Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe „den ausdrücklichen Befehl“ erhalten haben, seinen „Betrieb zu verfünffachen“, er sei aber tatsächlich nur verdoppelt worden. Während des Zweiten Weltkriegs werden zur Wehrmacht eingezogene Firmenmitarbeiter offenbar trotz Schenks Ablehnung durch französische und russische Kriegsgefangene sowie durch sogenannte „Ostarbeiter“ ersetzt.
Was die Person Willy Schenk angeht, ist er ein Beispiel dafür, dass sich (historische) Personen nicht ohne weiteres mit Schwarz-Weiß-Dichotomien erfassen lassen: Willy Schenk erhält, wie zahlreiche führende Unternehmer in der NS-Zeit, den obligatorischen Titel „Wehrwirtschaftsführer“ (1938–1942) und wird Kreiswirtschaftsberater für den Landkreis Vaihingen/Enz. Das Amt füllt er aber nur mit wenig Einsatz aus, was man ihm seitens der NS-Führung ankreidet.
In „Maulbronn Heimatbuch“ (Bd. II, S. 148) heißt es: „Im Laufe der Jahre distanzierte er sich aber mehr und mehr von der Partei, die Ämter wurden ihm entzogen, 1945 stand er wohl sogar vor der Verhaftung durch die Nazis.“ Gewiss auch vor dem Hintergrund, dass ein Sohn 1943 gefallen, der andere 1945 im Lazarett verstorben ist. Wegen seines Amts als Wehrwirtschaftsführer ist Willy Schenk vom 18. August 1945 bis 23. Dezember 1947 in politischer Haft.
Das Leichtgusswerk wird nach Kriegsende von den Alliierten beschlagnahmt und als Reparationsleistung demontiert: „So wanderten 90 Prozent der technischen Ausrüstung in fünf Länder“ (Rückblick auf fünf Jahrzehnte W. & W. Schenk KG Leichtgußwerke Maulbronn – Schwäbisch Gmünd. 1913–1963, S. 12). Willy Schenk befasst sich, obwohl gesundheitlich angeschlagen, nach seiner Haftentlassung ab 1948 – das Jahr der Währungsreform – vor allem mit dem Wiederaufbau des Leichtgusswerks, das bis zu seinem Tod im Jahr 1958 weiter expandiert.