Kunstsammlung Heinrich - Bild des Monats
René Wirths – Atelierfenster, 2000, Öl und Tempera auf Leinwand, 240 x 150 cm
Ich beschäftige mich seit langem mit der Wahrnehmung meiner materiellen Umwelt indem ich Dinge, die ich vorfinde, male. In den Jahren 2001 bis 2005 habe ich diese Kontinuität bewusst unterbrochen und neue Wege gesucht (siehe unten) um schließlich wieder zu alten Pfaden zurückzukehren. Das Fenster-Bild war Anfang 2001 das vorerst letzte dieser Art Dingbilder.
Ich begreife bei den Dingbildern das Objekt und dessen Symbolik, Form und Ausdruck direkt als Bildidee. Meine Herangehensweise kann man als phänomenologisch bezeichnen: Während des langsamen, oftmals fast schon meditativen Arbeitsprozesses, also bei der malerischen Übersetzung des einzelnen bestimmten Gegenstandes in die Bildebene, konzentriere ich mich vor allem auf dessen visuelle Erscheinung. Ich male was ich sehe! Das heißt auch: Ich verwende dabei keine Fotografien, Projektionen oder andere technische Hilfsmittel.
Mein Blick wandert also zwischen dem Ding und dem Bild hin und her. Die Verdichtung des malerischen Farbauftrags ist zugleich die Summe meiner Beobachtungen.
Die in meinen Bildern immer wieder auftauchenden Spiegelungen meiner Person selbst und des Raumes, in dem ich mich befinde, also des Ateliers, verweisen einerseits auf diese benannten Umstände, also mein Allein-Sein mit Bild und Bildgegenstand in meinem Atelier und der Verzicht auf Hilfsmittel. Sie ermöglichen mir zudem willkommene Spielereien mit den Bild-, Bedeutungs- und Wirklichkeitsebenen. Das Malen ist das Wissen um Ding, Bildgegenstand und Bild. Das Bild befreit das Ding vom Dinglichen. Dieses Paradoxon führt beim Reflektieren über das Handeln automatisch zu philosophischen Betrachtungen von Existenz und Illusion, Wahrnehmung und Wirklichkeit...
Ich gehe davon aus, dass das Große im Kleinen bereits vorhanden ist und suche das Universelle, das Komplexe im Kleinen, scheinbar Einfachen.
(Text: René Wirths / Foto: Eric Tschernow)

