Stadt Maulbronn (Druckversion)
Autor: Frau Fegert
Artikel vom 19.02.2018

Einladung zum Vortrag: Hermann Hesse - Fluchtgedanken

Fluchtgedanken

 Hermann Hesses Maulbronner "Geniereise"

 

Dr. Manfred Gessat

25. Februar 2018, 15.00 Uhr

Literaturmuseum / Infozentrum des Klosters (1. OG)

(Eintritt frei)

Am 7. März 1892 flieht Hermann Hesse aus dem Seminar in Maulbronn, flieht vor der klösterlichen Enge und Disziplin. Heute zählt er zu den bedeutendsten Deutschen Schriftstellern, Nobelpreisträger und Weltveränderer.

Der Internist und Psychotherapeut Dr. Manfred Gessat beleuchtet die Geschichte Hesses aus der Perspektive der Psychologie. In seinem Vortrag wird Dr. Gessat die Kindheit des Schriftstellers betrachten, sein Umfeld, das Verhältnis zu seinen Eltern und zu seiner Mutter im Speziellen. Er weist wiederkehrende Schemen auf und gibt uns so Einblicke in das Innerste dieses großen Autors. Nach Dr. Gessats Vortrag wird die Lektüre von Hermann Hesses Werken eine andere sein.

Dr. Gessat lebt in Bretten und praktizierte dort viele Jahre in einer Gemeinschaftspraxis. Die Literatur war seit jeher sein Steckenpferd. Ihn interessiert aber auch – oder vor allem – die Botschaft zwischen den Zeilen.

 

Synopsis Vortrag „Fluchtgedanken“

Hermann Hesses halbjähriger Aufenthalt 1891/92 am evangelisch-theologischen Seminar Maulbronn nahm ein abruptes Ende. Sein plötzliches Verschwinden in Winterskälte hielt einen Tag lang Schule und Familie in Atem. Als Konsequenz nötigte man ihn kurzerhand zum Verlassen des Seminars.

Hesses abrupter Abschied von Maulbronn gilt als ein zentrales Ereignis auf seinem Lebensweg. Der Großvater und Patriarch der Familie nannte es "Geniereisle", Hesse selber sprach lieber von seiner "Maulbronner Flucht". Was verbirgt sich hinter diesen Worten und worum ging es im Kern?

Der Vortrag sucht die Antworten in Hesses pietistischer Herkunft und der Krise der damaligen Jahrhundertwende. Daneben wirft er einen Blick auf Hesses literarische Bearbeitung der Episode in seiner Romanerzählung "Unterm Rad".

Die Auswahl des biographischen Materials betont vor allem die herausragende Bedeutung Marie Hesses, der Mutter des Dichters. In Indien geboren und innerlich zeitlebens dort zu Hause, wurde sie die dennoch Württembergs erste Lehrerin im Staatsdienst. Die Spannungen ihres Lebens wiederholen sich im Leben des Sohns.  Mutter und Sohn entzweien sich trotz aller sie verbindender Liebe zur Sprache und zur Legende.

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